Vorwort zum Geschäftsbericht 2006
Im Geschäftsjahr 2006 führte der Zweckverband, wie in den Vorjahren, die Umsetzung der Softwarestrategie fort, in dem weitere eigenentwickelte oder in interkommunaler Gemeinschaftsarbeit entwickelte großrechnerbasierte Kern- und Nischenanwendungen durch Standard- bzw. Anwendungssoftware von Firmen, die am kommunalen Softwaremarkt tätig sind, abgelöst wurden. Mit der Ablösung der Großrechnersoftware verbanden die Verbandsmitglieder die Frage, ob sie die in Facharbeitskreisen erarbeiteten Ergebnisse von Softwareauswahl- und Vergabeverfahren für ihre Verwaltung oder ihren Betrieb übernehmen wollten. Dies wurde in einem strategischen Bereich, dem „Neuen Kommunalen Finanzmanagement“, verneint, so dass die GKD zwei Softwarelösungen für die fachliche Aufgabe, dazu sowohl für den zentralen wie den dezentralen Betrieb, bereitstellen musste.
Die Kundenerwartungen an die Flexibilität und ein kundenorientiertes Leistungsangebot erhielten Vorrang vor einer Vereinheitlichung der Softwarelandschaft beim Zweckverband. Es wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, die damit verbundenen Mehrkosten durch die Stabilisierung der Mitgliederzahl im Verbandsgebiet, die Gewinnung von weiteren Kunden aus dem KDN-Dachverband und ein erweitertes Leistungsangebot auszugleichen.
Die Entwicklungsaufgaben des Zweckverbandes haben sich von der Neuentwicklung und Pflege eigenentwickelter Software verlagert zur Integration von Komponenten mit teilweise heterogenen IT-Architekturen. Die Entwicklung von Schnittstellen und von serviceorientierten Prozessen erforderte eine neue IT- und Fachkompetenz, um geeignete Standardsoftware beschaffen, installieren, parametrisieren und bei Versionswechsel innerhalb der Gesamtlösung migrieren und fortentwickeln zu können. Es waren Anstrengungen erforderlich, die Beratungskompetenz auszubauen, auch um nationale und EU-weite Ausschreibungs- und Vergabeverfahren rechtssicher durchzuführen.
Die Produktpalette wurde durch Eigenentwicklungen komplettiert. Zu nennen sind Internetservices, das Bürgerkonto, Rats- und Bürgerinformationssysteme, die „Bauen-Online“-Internetservices, die Geo-Informationsservices, interaktive Formulare mit medienbruchfreier Verarbeitung der Daten. Mit der intensiven Nutzung der Internet- und Mailservices stieg das Gefährdungspotential und wuchsen die Anforderungen an die IT-Sicherheit, die Absicherung der Netze und Anwendungen, die Authentifizierung und Identifizierung der Nutzer, den sicheren ver- bzw. entschlüsselten Daten- und Mailverkehr. Die explosionsartige Zunahme digitaler Informationen erforderten Investitionen in neue Speichertechniken und deren Beherrschung.
Als weiterer Dienstleistungsbereich konnten die Kundenservices für den Betrieb der Server-, Arbeitsplatzsysteme und Netzwerkkomponenten sowie die Unterstützung der Nutzer weiter ausgebaut werden.
Ausgelöst durch Beratungen in den Bürgermeisterkonferenzen und die vorsorgliche Kündigung der Mitgliedschaft im Zweckverband durch ein Verbandsmitglied, das „dringenden Handlungsbedarf in einer strategischen Neuausrichtung der GKD im Hinblick auf eine Entwicklung zu einem zukunftsfähigen und an den Belangen der Kommunen orientierten Dienstleister“ sah, wurde die Durchführung eines Unternehmensaudits beschlossen. Das Unternehmensaudit hatte zum Ziel, die Kosten- und Leistungsstruktur zu überprüfen, eine Neupositionierung als kommunaler IT-Dienstleister und kommunales Systemhaus sowie eine Aufgabenkritik, auch im Vergleich mit anderen kommunalen IT-Dienstleistern, vorzunehmen und daraus die Ziele und die Neuausrichtung zu entwickeln. Es sollten Fragen beantwortet werden, wer welche Leistungen von der GKD braucht, wie die GKD die Leistungen erbringen kann und welchen Mehrwert die GKD für ihre Verbandsmitglieder erbringen bzw. was sie besser kann als die Verbandsmitglieder in Form von Eigenleistungen, beim Bezug der Leistungen vom Markt oder von externen IT-Dienstleistern. Die Ergebnisse wurden im Frühjahr 2007 erwartet.
Die Ertragslage wird wesentlich durch vorausgegangene außerplanmäßige Abschreibungen auf Softwarelizenzen belastet. Eine Verbesserung erfolgte durch die Erhöhung der Umsatzerlöse aus NKF-Einführungen und den Ausbau des NKF-Betriebes, verteilt auf die Jahre 2005 bis 2008. Bis Mitte 2009 sind aber parallel noch großrechnerbasierte Altverfahren vorzuhalten, die weiterhin Kosten verursachen. Insgesamt ergab sich in 2006 ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 295 TEuro, der durch Verlustvorträge in den Folgejahren ausgeglichen werden soll.
Die Preise für die in Anspruch genommenen Leistungen blieben dennoch im Wesentlichen, wie auch in den Vorjahren, unverändert. Die Geschäftsführung war gefordert, Mehrkosten durch Einsparungen einerseits und zusätzliche Erlöse andererseits auszugleichen. Auch die Höhe der Umlage, die nach der Satzung 15 % nicht überschreiten soll, blieb mit 8,4 % des Haushaltsvolumens unverändert niedrig. Der Wirtschaftsprüfer sah keine bestandsgefährdenden Risiken, insbesondere deshalb nicht, weil der Zweckverband GKD ein differenziertes Produktangebot sowohl in den Bereichen Finanz- und Veranlagungswesen wie auch in anderen Produktsegmenten anbietet. Zudem wurde davon ausgegangen, dass die Erwartungen der Verbandsmitglieder an ein modernes und leistungsfähiges kommunales IT-Dienstleistungs¬unternehmen durch die konsequente Umsetzung des in 2006 begonnenen Unternehmensaudits realisiert werden können, so dass unternehmensstrategische Risiken ausgeschlossen und das Ausscheiden von Verbandsmitgliedern vermieden werden kann.
Alfred Meinerzhagen
Geschäftsführer